Auszug aus Otto Mörtzsch, Historisch-topographische Beschreibung der
Amtshauptmannschaft
Großenhain (ersch. 1935)
Zottewitz : Dorf mit Rittergut
Ortslage : Gassendorf
Flur : Gutsblöcke, Gehwanneflur*
Auf
Grundlage von aufgeführten Auszügen und Dokumente
aus dem Staatsarchiv Dresden, die Sie HIER finden, wurden diese
Ausführungen von Herrn Dunsch aufgestellt.
Herr Dunsch, ehemaliger
Lehrer an der Schule Neuseußlitz hat 1977 in mühevoller Kleinarbeit eine
Akteneinsicht im Dresdener Staatsarchiv vorgenommen und in stichwortartigen
Angaben für Zottewitz und Döschütz zusammengestellt. [Sehen
Sie HIER dazu die tabellarische Chronik]
Unser Ausflug in die
vergangenen Jahrhunderte stützt sich auf vorhandene Urkunden aus der
Markgrafschaft Meißen, die von einem verdienstvollen Forscher für alle Orte
der damaligen Amtshauptmannschaft [Verwaltungsbezirk] Großenhain untersucht und
für den heutigen Gebrauch aufbereitet worden sind.
Was
können wir den alten Urkunden über die Entwicklung unserer Orte entnehmen ?
Im Jahre 1277 tauchte erstmalig in alter Form der
Name Zottewitz in einer Urkunde vom 17.7.1277 auf, in der ein Syffrinus de
Zuotitz bei einem Vertrag als Zeuge mitgewirkt hatte. Offenbar hat dieser
Feudalherr den Ort vom Markgrafen*
von Meißen als Lehn erhalten. Wie lange vorher Siedler der damaligen
Ostkolonisation schon hier ansässig waren oder ob vordem bereits eine slawische
Ansiedlung da war, ist ungewiß.
Der Name ist Slawischen Ursprungs, das beweisen die
Endungen- itz, -titz und -witz. Daß die Ansiedlung vor 1277 erfolgt sein wird,
darauf deutet die erste Urkunde über Döschütz. Denn schon 1205 wird Döschütz
(Didiswitz) als Besitz des Afra-Klosters in Meißen ausgewiesen. Schon 1293
wird auch Zottewitz (Zowetitz) mindestens klösterlicher Teilbesitz. Wir lesen,
daß 1292 der Herr im Dorf Zeutiz (Zottewitz) dem aufblühenden Kloster
Seußlitz 5 1/2 Hufen*
überläßt, die er vom Meißner Markgrafen*
als Lehn erhalten hatte. 42 Jahre später geht auch Deswitz (Döschütz) durch
einen Tausch an das Seußlitzer Kloster.
Offenbar hat es in der Mitte des 14. Jahrhunderts
eine Katastrophe durch Brand oder Kriegsverheerung gegeben, denn 1372 kaufen die
Markgrafen* zu Meißen
"2 wuste dorph : Zcodelwiez und Kothwicz für 60 Schock neuer
Groschen". Der Handel muß sich gelohnt haben, denn schon 6 Jahre später
gehören Czautitz und Deswitz (Zottewitz und Döschütz)
zum "castrum Hayn" [dem befestigten Sitz des Burggrafen im heutigen
Großenhain] und sind dem Markgrafen*
zinspflichtig. Die Abgaben, die sogenannten Landbete*,
werden 1406 für Zottewitzer 14 Hufenbauern mit je 9 Groschen festgesetzt. Die 7
Gärten hatten keine Abgaben an den Markgrafen*
zu bringen. ( eine Hufe Land umfaßt 7 - 8 Hektar, etwa 2 Hektar besitzt ein
sogenannter Gärtner, der Kleinlandwirt )
Im 15. Jahrhundert wird für Zottewitz die
Herrschaft feudaler Familien, die auf dem Rittergut sitzen, bedeutungsvoll.
Zuerst 1465 wird einem Herrn von Münster der "Sedelhof, das Vorwerk und
Zinsen im Dorf" urkundlich übereignet. Sedel ist die alte Form für
Sattel, der so bezeichnete Hof war frei von Abgaben, mußte aber Heeresfolgen
leisten, hier also durch einen oder mehrere berittene Mann, die nach
Aufruf durch den Kriegsherren in den Sattel ( oder Sedel ) steigen mußten.
Geläufiger ist für den dörflichen
Feudalherrensitz der Name Rittergut, der davon kommt, daß "Berittene"
zu stellen waren (Kriegswirren gab es ja oft genug). Der 30-jährige Krieg
verschonte auch Zottewitz nicht. Jedoch hatten umliegende Dörfer Abgaben an das
Militär zu leisten und wurden teiweise noch viel mehr geschädigt. Eine Urkunde
erwähnt 1637 für Seußlitz den schwedischen Brand, und in Zottewitz liegen
1660 "zwei güter wüste", ebenso einige "baustedten".
Die Reste des Zottewitzer Gutshof, die von
quadradisch einschließenden Umfassungsmauer mit den 4 Ecktürmen und den
Torsäulen umschlossen waren, sagen uns, daß man damals stets auf Verteidigung
eingerichtet sein mußte.
Fast das ganze 16. Jahrhundert übt die Familie von
Taubenheim und anschließend bis 1840 die Familie von Schleinitz in Zottewitz
die Herrschaft aus und hat richterliche Gewalt über die Einwohner. Einige noch
vorhandene Torbogenschlußsteine deuten mit ihrem S auf Bauten dieser
Feudalfamilie hin.
Döschütz
wird 1631 als Besitz eines Gabriel von Schleinitz ausgewiesen. 100 Jahre vorher
war es "Leibgedinge" (d.i. Altentei) für die Witwe eines Nicolaus von
Rotschütz. Aber offenbar hatten diese Döschützer Feudalherren anderorts ihren
Sitz und bezogen nur die Abgaben aus Döschütz.
Über die Höhe der Steuern erfahren wir für 1406
von den 11 Hufen* in Döschütz:
"In Summa betragen die Landbete*
3 Schock* 7
Groschen" ( in Geld ) das waren in Naturalien 9 Schock*
Gerste, 4 1/2 Schock Weizen, 11 Hühner und 1 1/2 Schock Eier". Im gleichen
Jahr zahlen die 14 Hüfner in Zottewitz jeder 9 Groschen, nur "einer gibt
18 Groschen", während die 7 Gärtner sicherlich ihre Leistung an die
Herrschaft als Frondienste zu bringen hatten.
Was
erfahren wir über die Bevölkerungsentwicklung zur Zeit der Feudalherrschaft ?
Am Beginn des 30-jährigen Krieges hatte Zottewitz
21 besessene Mann ( d.h. solche mit Landbesitz ), nach dem Ende des Krieges
werden 16 Steuerzahler erwähnt: nämlich 6 Hüfner, 1 Halbhüfner, 8 Gärtner
(dabei die Schmied) und eine Schenke.
Wie schwer jedoch die Zottewitzer unter ihrer Abgabenlast litten, beweist eine Bittschrift
an den Kurfürstlichen Durchlaucht von Sachsen von 1652. Zum nachlesen
bitte auf den LINK klicken !
An Döschütz ist der Krieg wahrscheinlich ohne
Verluste vorübergegangen. Seit 1406 werden immer 11, 10 oder 11 1/2 Hufen
angeführt, bis 1728 wächst es auf 15 Hufen und hat 1814 65
Einwohner.
Zottewitz dagegen erreicht erst 1826, also rund 100 Jahre später, den Umfang
von 20 Häusern mit 100 Einwohnern, bei einem Landbesitz von 14 Hufen. Gewiß
stand es im Zusammenhang mit der Ablösung der Frondienste und dem Ende der
Leibeigenschaft überhaupt, daß die Dörfer sich nun entwickelten und die Zahl
der Einwohner stieg. Die preußischen Reformen des Jahres 1807 wirkten ja im
ersten Viertel des 19. Jahrhunderts über die Grenzen hinweg. So erstaunt es uns
nicht, daß schon 1840 Zottewitz auf 30 Häuser mit 300 Einwohnern angewachsen
ist.
Wie
sich der Ortsnamen im laufe der Jahrhunderte mit den Besitzverhältnissen
änderte, sehen sie HIER !
Noch ein paar für den Ort eigentümliche Dinge :
Das Betreiben von Mühlen war ein typisches
Feudalrecht. Auch zum Rittergut Zottewitz gehören 1721 zwei Wassermühlen
"an zweien teichen". Goltzscha
gehörte damals zur Herrschaft Zottewitz. Diese zwei Wassermühlen sind heute
nicht mehr vorhanden.
Aber zugleich wird in dieser Urkunde erstmals auch unsere Zottewitzer
Windmühle erwähnt. Und zwar liegt sie auf einem Bauerngrundstück und ist
"denen Müllern eigentümlich", also in dessen eigenen Besitz.
Döschütz
hatte vor 150 Jahren eine eigene Schule. 1827 gab es in Döschütz "einen
nicht konfirmierten Kinderlehrer", der allerdings nach dieser Bezeichnung
von Amtswegen nicht anerkannt war.
Kirchlich gehörte Zottewitz zuerst nach Strießen,
im 16. Jahrhundert waren beide Orte nach Merschwitz eingepfarrt. Nach der
Auflösung des Klosters kommen sie 1547 zu Seußlitz, wo heute noch in der
Seußlitzer Schloßkirche eine Herrschaftsloge zu finden ist.