1277     2010
Nach oben Chronik Ortsbeschreibung Ortsnamen Spurensuche Geschichtlicher Abriß Dokumente

 

Gedanken und Deutungen der Zottewitzer Chronik

 

In kürzerer tabellarischer Form sowie Erläuterungen* zum Text HIER ! 

Auszug aus Otto Mörtzsch, Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Großenhain (ersch. 1935)

Zottewitz : Dorf mit Rittergut

Ortslage : Gassendorf

Flur : Gutsblöcke, Gehwanneflur*

Auf Grundlage von aufgeführten Auszügen und Dokumente aus dem Staatsarchiv Dresden, die Sie HIER finden, wurden diese Ausführungen von Herrn Dunsch aufgestellt. 
Herr Dunsch, ehemaliger Lehrer an der Schule Neuseußlitz hat 1977 in mühevoller Kleinarbeit eine Akteneinsicht im Dresdener Staatsarchiv vorgenommen und in stichwortartigen Angaben für Zottewitz und Döschütz zusammengestellt. [Sehen Sie HIER dazu die tabellarische Chronik]

Unser Ausflug in die vergangenen Jahrhunderte stützt sich auf vorhandene Urkunden aus der Markgrafschaft Meißen, die von einem verdienstvollen Forscher für alle Orte der damaligen Amtshauptmannschaft [Verwaltungsbezirk] Großenhain untersucht und für den heutigen Gebrauch aufbereitet worden sind. 

Was können wir den alten Urkunden über die Entwicklung unserer Orte entnehmen ? 

Im Jahre 1277 tauchte erstmalig in alter Form der Name Zottewitz in einer Urkunde vom 17.7.1277 auf, in der ein Syffrinus de Zuotitz bei einem Vertrag als Zeuge mitgewirkt hatte. Offenbar hat dieser Feudalherr den Ort vom Markgrafen* von Meißen als Lehn erhalten. Wie lange vorher Siedler der damaligen Ostkolonisation schon hier ansässig waren oder ob vordem bereits eine slawische Ansiedlung da war, ist ungewiß.

Der Name ist Slawischen Ursprungs, das beweisen die Endungen- itz, -titz und -witz. Daß die Ansiedlung vor 1277 erfolgt sein wird, darauf deutet die erste Urkunde über Döschütz. Denn schon 1205 wird Döschütz (Didiswitz) als Besitz des Afra-Klosters in Meißen ausgewiesen. Schon 1293 wird auch Zottewitz (Zowetitz) mindestens klösterlicher Teilbesitz. Wir lesen, daß 1292 der Herr im Dorf Zeutiz (Zottewitz) dem aufblühenden Kloster Seußlitz  5 1/2 Hufen* überläßt, die er vom Meißner Markgrafen* als Lehn erhalten hatte. 42 Jahre später geht auch Deswitz (Döschütz) durch einen Tausch an das Seußlitzer Kloster. 

Offenbar hat es in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine Katastrophe durch Brand oder Kriegsverheerung gegeben, denn 1372 kaufen die Markgrafen* zu Meißen "2 wuste dorph : Zcodelwiez und Kothwicz für 60 Schock neuer Groschen". Der Handel muß sich gelohnt haben, denn schon 6 Jahre später gehören Czautitz und Deswitz (Zottewitz und Döschütz) zum "castrum Hayn" [dem befestigten Sitz des Burggrafen im heutigen Großenhain] und sind dem Markgrafen* zinspflichtig. Die Abgaben, die sogenannten Landbete*, werden 1406 für Zottewitzer 14 Hufenbauern mit je 9 Groschen festgesetzt. Die 7 Gärten hatten keine Abgaben an den Markgrafen* zu bringen. ( eine Hufe Land umfaßt 7 - 8 Hektar, etwa 2 Hektar besitzt ein sogenannter Gärtner, der Kleinlandwirt ) 

Im 15. Jahrhundert wird für Zottewitz die Herrschaft feudaler Familien, die auf dem Rittergut sitzen, bedeutungsvoll. Zuerst 1465 wird einem Herrn von Münster der "Sedelhof, das Vorwerk und Zinsen im Dorf" urkundlich übereignet. Sedel ist die alte Form für Sattel, der so bezeichnete Hof war frei von Abgaben, mußte aber Heeresfolgen leisten,  hier also durch einen oder mehrere berittene Mann, die nach Aufruf durch den Kriegsherren in den Sattel ( oder Sedel ) steigen mußten. 

Geläufiger ist für den dörflichen Feudalherrensitz der Name Rittergut, der davon kommt, daß "Berittene" zu stellen waren (Kriegswirren gab es ja oft genug). Der 30-jährige Krieg verschonte auch Zottewitz nicht. Jedoch hatten umliegende Dörfer Abgaben an das Militär zu leisten und wurden teiweise noch viel mehr geschädigt. Eine Urkunde erwähnt 1637 für Seußlitz den schwedischen Brand, und in Zottewitz liegen 1660 "zwei güter wüste", ebenso einige "baustedten".

Die Reste des Zottewitzer Gutshof, die von quadradisch einschließenden  Umfassungsmauer mit den 4 Ecktürmen und den Torsäulen umschlossen waren, sagen uns, daß man damals stets auf Verteidigung eingerichtet sein mußte. 

Fast das ganze 16. Jahrhundert übt die Familie von Taubenheim und anschließend bis 1840 die Familie von Schleinitz in Zottewitz die Herrschaft aus und hat richterliche Gewalt über die Einwohner. Einige noch vorhandene Torbogenschlußsteine deuten mit ihrem S auf Bauten dieser Feudalfamilie hin. 

Döschütz wird 1631 als Besitz eines Gabriel von Schleinitz ausgewiesen. 100 Jahre vorher war es "Leibgedinge" (d.i. Altentei) für die Witwe eines Nicolaus von Rotschütz. Aber offenbar hatten diese Döschützer Feudalherren anderorts ihren Sitz und bezogen nur die Abgaben aus Döschütz.

Über die Höhe der Steuern erfahren wir für 1406 von den 11 Hufen* in Döschütz: "In Summa betragen die Landbete* 3 Schock* 7 Groschen" ( in Geld ) das waren in Naturalien 9 Schock* Gerste, 4 1/2 Schock Weizen, 11 Hühner und 1 1/2 Schock Eier". Im gleichen Jahr zahlen die 14 Hüfner in Zottewitz jeder 9 Groschen, nur "einer gibt 18 Groschen", während die 7 Gärtner sicherlich ihre Leistung an die Herrschaft als Frondienste zu bringen hatten. 

Was erfahren wir über die Bevölkerungsentwicklung zur Zeit der Feudalherrschaft ? 

Am Beginn des 30-jährigen Krieges hatte Zottewitz 21 besessene Mann ( d.h. solche mit Landbesitz ), nach dem Ende des Krieges werden 16 Steuerzahler erwähnt: nämlich 6 Hüfner, 1 Halbhüfner, 8 Gärtner (dabei die Schmied) und eine Schenke. Wie schwer jedoch die Zottewitzer unter ihrer Abgabenlast litten, beweist eine Bittschrift an den Kurfürstlichen Durchlaucht von Sachsen von 1652. Zum nachlesen bitte auf den LINK klicken ! 

An Döschütz ist der Krieg wahrscheinlich ohne Verluste vorübergegangen. Seit 1406 werden immer 11, 10 oder 11 1/2 Hufen angeführt, bis 1728 wächst es auf 15 Hufen und hat 1814  65 Einwohner. 

Zottewitz dagegen erreicht erst 1826, also rund 100 Jahre später, den Umfang von 20 Häusern mit 100 Einwohnern, bei einem Landbesitz von 14 Hufen. Gewiß stand es im Zusammenhang mit der Ablösung der Frondienste und dem Ende der Leibeigenschaft überhaupt, daß die Dörfer sich nun entwickelten und die Zahl der Einwohner stieg. Die preußischen Reformen des Jahres 1807 wirkten ja im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts über die Grenzen hinweg. So erstaunt es uns nicht, daß schon 1840 Zottewitz auf 30 Häuser mit 300 Einwohnern angewachsen ist. 

Wie sich der Ortsnamen im laufe der Jahrhunderte mit den Besitzverhältnissen änderte, sehen sie HIER !

Noch ein paar für den Ort eigentümliche Dinge : 

Das Betreiben von Mühlen war ein typisches Feudalrecht. Auch zum Rittergut Zottewitz gehören 1721 zwei Wassermühlen "an zweien teichen". Goltzscha gehörte damals zur Herrschaft Zottewitz. Diese zwei Wassermühlen sind heute nicht mehr vorhanden. 
Aber zugleich wird in dieser Urkunde erstmals auch unsere Zottewitzer Windmühle erwähnt. Und zwar liegt sie auf einem Bauerngrundstück und ist "denen Müllern eigentümlich", also in dessen eigenen Besitz. 

Döschütz hatte vor 150 Jahren eine eigene Schule. 1827 gab es in Döschütz "einen nicht konfirmierten Kinderlehrer", der allerdings nach dieser Bezeichnung von Amtswegen nicht anerkannt war. 

Kirchlich gehörte Zottewitz zuerst nach Strießen, im 16. Jahrhundert waren beide Orte nach Merschwitz eingepfarrt. Nach der Auflösung des Klosters kommen sie 1547 zu Seußlitz, wo heute noch in der Seußlitzer Schloßkirche eine Herrschaftsloge zu finden ist. 

 Nach oben • Chronik • Ortsbeschreibung • Ortsnamen • Spurensuche • Geschichtlicher Abriß • Dokumente