1277     2012

Und der Strohsack ist frisch gerichtet

 Dorfmuseum Zottewitz 

Domizil im alten Rittergut

Eine Kartoffelreibe oder eine Bohnenschnippelmaschine gehörte zu den Küchenwundern Von Luise Zschörnig, Sächsische Zeitung vom 20./21.Mai 2006
Fotos : Brühl


Und der Strohsack ist frisch gerichtet

Zottewitz. Möbel, Hausrat und bäuerliches Gerät aus Großmutters Zeiten zeigt das Landmuseum. Seit dieser Woche ist es wieder für Besucher geöffnet.

Die Frauen zieht es meist zuerst zur Wäsche, die Männer zu den Küchengeräten. Heike Fuchs schmunzelt vielsagend. „Sie begucken sie von allen Seiten und würden sie am liebsten auseinander nehmen, um hinter die Konstruktion zu steigen." Die Zottewitzerin hat ihre Freude dran. Männer und Technik! Gehandhabt haben aber eher Frauen diese alten Küchenhilfen: ob Fleischwolf oder Mandelmühle, Obstentsafter, Kartoffelreibe, Bohnenschnippelmaschine, Separator und Butterfass.

Ausgestellt sind sie im Landmuseum Zottewitz, das nach der Winterpause seit dieser Woche wieder für Besucher geöffnet ist. Es befindet sich im alten Rittergut. Heike Fuchs und Ursula Seidel von der Ortsgruppe der Volkssolidarität haben die Sammlung aufgebaut und betreuen sie. „Der Raum war ehe­mals Teil des Kuhstalls und stand leer", erzählt Heike Fuchs. Sie beschäftigt sich intensiv mit Heimatgeschichte - hat zum Beispiel die Dorfchronik von Zottewitz und Döschütz mit initiiert und geschrieben. Und sie hat ein Faible für bäuerlichen Hausrat und alte Wäsche. Beinahe schon Stammbesucher ist sie auf Trödelmärkten und bei Haushaltsauflösungen.

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Heike Fuchs schüttelt das Bett auf, während Ursula Seidel das Filetdeckchen auf dem Kopfkissen glatt streicht. Gut erhaltene Bettwäsche, teils schon 100 Jahre alt, gehört zu den Exponaten im Zottewitzer Landmuseum.

Das Rittergut gehört ihrer Familie, und ihr Mann, Bauunternehmer Roberto Fuchs, hatte ein offenes Ohr für die Museums-Idee. Er sorg­te für ein ansprechendes Domizil, und die beiden Frauen machten sich, unterstützt von einigen Mitstreitern, ans Werk. Sie trugen zusammen, was sie aufstöbern konnten, sprachen die Leute im Dorf an. Zur 725-Jahr-Feier von Zottewitz im Jahr 2002 öffnete das Landmuseum zum ersten Mal seine Pforte. ! „Inzwischen haben wir einen sehr  schönen Fundus, den wir gern i noch mehr Interessierten, auch Schulklassen und Kindergartengruppen, zeigen möchten", sagt Frau Fuchs. Sie bietet dazu Führungen durch den Ort an.

In der Tat: Das kleine Museum ist eine Augenweide. Liebevoll sind die Möbel und Gegenstände platziert und hergerichtet, als wären sie eben noch benutzt worden. Die Tür des Schlafzimmerschranks steht offen, aus dem Kleider und Bettwäsche - rot-weiß-karriert und schon über 100 Jahre alt! - hervorlugen. Der Strohsack und die Federbetten sind frisch bezogen. In einem Kinderbett, in dem einst der Großvaters von Heike Fuchs schlief, liegt eine Puppe im Steckkissen. Eine Schublade der Kommode ist herausgezogen, und unwillkürlich bleibt der Blick an einem Mieder hängen. Im Küchenschrank stehen griffbereit Kaffeetöpfe, und der Stubentisch ist halb eingedeckt. Bücher, Bilder, Wandteller und allerlei Deckchen schmücken den Raum.

Mit vielen Exponaten sind Geschichten verbunden, die Heike Fuchs und Ursula Seidel dem Besucher gern erzählen. Der urige halbrunde Nachtschrank beispielsweise stand in einem Seußlitzer Haus direkt am Felsen, die Besitzer nutzten ihn als Kühlschrank. „Vieles, wie hier die alten Skier und Schlittschuhe, wären weggeworfen worden. Wir sind froh, wenn die Leute die Sachen ins Museum bringen", sagt die 76-jährige Frau Seidel. „An ihnen können die jüngeren Besucher anschaulich nachvollziehen, wie frühere Generationen lebten."

Als Dauerausstellung ist die Sammlung konzipiert. Um ihren Schauwert noch zu erhöhen, sollen regelmäßig kleine Zusatzausstellungen, zum Beispiel mit Spielzeug, alten Gläsern, Flaschen oder Handarbeitstechnik, hinzu kommen. „Wir sind erst am Anfang", sagt Heike Fuchs. Der aber lohnt auf jeden Fall schon jetzt einen Besuch.

Landmuseum und Ortsführungen - Anmeldung über U. Seidel, 035267/54117 oder Heike Fuchs, 035267/55345.