Von
Luise Zschörnig,
Sächsische Zeitung vom 20./21.Mai 2006
Fotos : Brühl
Und der Strohsack ist frisch gerichtet
Zottewitz.
Möbel,
Hausrat und bäuerliches
Gerät aus Großmutters
Zeiten zeigt das Landmuseum. Seit dieser
Woche ist es wieder für
Besucher geöffnet.
Die
Frauen zieht es meist zuerst
zur Wäsche, die Männer
zu den Küchengeräten. Heike
Fuchs schmunzelt vielsagend. „Sie begucken sie von allen Seiten und würden sie am liebsten auseinander nehmen, um
hinter die Konstruktion zu steigen." Die Zottewitzerin hat ihre Freude dran. Männer und
Technik! Gehandhabt haben
aber eher Frauen diese alten Küchenhilfen:
ob Fleischwolf oder Mandelmühle,
Obstentsafter, Kartoffelreibe, Bohnenschnippelmaschine, Separator und Butterfass.
Ausgestellt sind sie im Landmuseum
Zottewitz, das nach der Winterpause
seit dieser Woche wieder für Besucher geöffnet
ist. Es befindet sich im alten Rittergut.
Heike Fuchs und Ursula Seidel von der Ortsgruppe
der Volkssolidarität haben die
Sammlung aufgebaut und betreuen sie.
„Der Raum war ehemals Teil des
Kuhstalls und stand leer", erzählt
Heike Fuchs. Sie beschäftigt sich
intensiv mit Heimatgeschichte - hat
zum Beispiel die Dorfchronik von Zottewitz und Döschütz mit initiiert und geschrieben. Und sie hat ein Faible für bäuerlichen Hausrat und alte Wäsche. Beinahe schon Stammbesucher ist sie
auf Trödelmärkten und bei Haushaltsauflösungen.
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Domizil
im alten Rittergut
Heike
Fuchs schüttelt das Bett auf, während Ursula Seidel das Filetdeckchen auf dem
Kopfkissen glatt streicht. Gut erhaltene Bettwäsche, teils schon 100 Jahre alt,
gehört zu den Exponaten im Zottewitzer Landmuseum.
Das
Rittergut gehört ihrer Familie, und
ihr Mann, Bauunternehmer Roberto Fuchs, hatte ein offenes Ohr für die
Museums-Idee. Er sorgte für ein ansprechendes Domizil, und die beiden Frauen
machten sich, unterstützt von einigen Mitstreitern, ans Werk. Sie trugen zusammen,
was sie aufstöbern konnten, sprachen die Leute im Dorf an. Zur 725-Jahr-Feier
von Zottewitz im Jahr 2002 öffnete das Landmuseum zum ersten Mal seine Pforte.
! „Inzwischen haben wir einen sehr schönen Fundus, den wir gern i noch
mehr Interessierten, auch Schulklassen und Kindergartengruppen, zeigen möchten",
sagt Frau Fuchs. Sie bietet dazu Führungen durch den Ort an.
In
der Tat: Das kleine Museum ist eine Augenweide. Liebevoll sind die Möbel und
Gegenstände platziert und hergerichtet, als wären sie eben noch benutzt
worden. Die Tür des Schlafzimmerschranks steht offen,
aus dem Kleider und Bettwäsche - rot-weiß-karriert und schon über
100 Jahre alt! - hervorlugen. Der Strohsack und die Federbetten sind frisch
bezogen. In einem Kinderbett, in dem einst der Großvaters von Heike Fuchs
schlief, liegt eine Puppe im Steckkissen. Eine Schublade der Kommode ist
herausgezogen, und unwillkürlich bleibt der Blick an einem Mieder hängen. Im Küchenschrank
stehen griffbereit Kaffeetöpfe, und der Stubentisch ist halb eingedeckt. Bücher,
Bilder, Wandteller und allerlei Deckchen schmücken den Raum.
Mit
vielen Exponaten sind Geschichten verbunden, die Heike Fuchs und Ursula Seidel
dem Besucher gern erzählen. Der urige halbrunde Nachtschrank beispielsweise stand
in einem Seußlitzer Haus direkt
am Felsen, die Besitzer nutzten ihn als Kühlschrank. „Vieles, wie hier die
alten Skier und Schlittschuhe, wären weggeworfen worden. Wir sind froh, wenn
die Leute die Sachen
ins Museum bringen", sagt die
76-jährige Frau Seidel. „An ihnen können die jüngeren Besucher anschaulich
nachvollziehen, wie frühere Generationen lebten."
Als
Dauerausstellung ist die
Sammlung konzipiert. Um ihren Schauwert noch zu erhöhen, sollen regelmäßig
kleine Zusatzausstellungen, zum Beispiel mit Spielzeug, alten Gläsern, Flaschen
oder Handarbeitstechnik, hinzu kommen. „Wir sind erst am Anfang", sagt
Heike Fuchs. Der aber lohnt auf jeden Fall schon jetzt einen Besuch.
Landmuseum und Ortsführungen - Anmeldung über U. Seidel, 035267/54117 oder Heike
Fuchs, 035267/55345.