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Festansprache des Wehrleiters der Zottewitzer Feuerwehr 

 

Altes Feuerwehrhaus

Von der Handdruckspritze zum modernen Löschfahrzeug TSF-W

Die Zottewitzer Feuerwehr feiert im Sommer 2004 ihr 100-jähriges Bestehen.

Erschienen im:  AMTSBLATT DER GEMEINDE PRIESTEWITZ FEBRUAR 2004

 

„Wohltätig
ist des Feuers Macht, 

wenn sie der Mensch bezähmt bewacht, und er bildet, was er schafft, das dankt er dieser Himmelsmacht". 

und tatsächlich ist es heute keine Sekunde ohne die sinnvolle Nutzung dieser Naturkraft denkbar. 
Doch in Schillers „Glocke" heißt es weiter :

      „Wehe wenn sie losgelassen, wachsend ohne Widerstand .... "!

In diesem Moment wurde das Feuer oft zum grimmigsten Feind aller menschlicher Errungenschaften. Aus diesem Grunde wurden schon 1521 und 1775 Feuerwehrordnungen erlassen, welche die Notwendigkeit eines vorbeugenden Brandschutzes und einer planmäßigen Brandbekämpfung aufzeigte.

Bereits vor der Bildung einer Feuerwehr machte man sich auch in Zottewitz Gedanken über eine wirksame Löschhilfe. In älteren Gemeindedokumenten sind Aktivitäten zum Brandschutz seit 1876 ausgewiesen. So schreibt man am 18. März 1876, dass ein Leiterhaus von einer 3 Ellen Höhe und einer Weite von 1 '/2 Ellen errichtet werden soll. Weiterhin auf Beschluss des Gemeindevorstandes von 1886 wurde eine Spritzenmannschaft auf weitere 3 Jahre verpflichtet. Diese Spritzenmannschaft gehörten an: die Hausbesitzer Bernhard Wetzold, B. Lorenz, die Wirtschaftsbesitzer Ernst Richter, Friedrich Herrmann und die Gutsbesitzer Robert Dürichen, Eduard Dürichen, H. Rühle. 

Am 22. Dezember 1898 wurde ein Vertrag zwischen Gemeinde, Rittergut und Spritzenfabrikation Jöhstätt für den Kauf einer Spritze für 900 (Gold-) Mark abgeschlossen. Dazu musste natürlich auch ein Gerätehaus erbaut werden. Ein Statut für einen Feuerlöschverband der Landgemeinde und dem Rittergutes Zottewitz wurde am 1. März 1904 beschlossen und vom Gemeinderat E. Richter (Gemeindevorstand) und von der Rittergutsherrschaft Frau Agnes von Stammer unterzeichnet. Dieser Tag wird somit als der Gründungstag einer Feuerwehr in Zottewitz angesehen. 

Einiges aus dem Inhalt: 
Die Löschmannschaft besteht aus 22 Personen, sowie dem Führer und dessen Stellvertreter, die auf zwei Jahre gewählt werden.

Die Bespannung der Spritze erfolgt vom Rittergut. Zur Hilfeleistung rückte die Löschmannschaft bis zu 6 km aus.

Großes Bild - KLICK !
     1967: Übergabe des Löschfahrzeuges LO 1800                   2002: Kameraden zum Kreisausscheid bei der Übung "Löschangriff"  

So wie heute, war auch damals schon die Alarmierung eine wesentliche Rolle für die Schnelligkeit der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr. Man verwand damals Hupen und Hörner, dann Tremolo-Fanfaren sowie handgedrehte und noch später elektrisch betriebene Sirenen. In den heutigen Tagen werden die Feuerwehren durch die Rettungsleitstellen in wenigen Minuten mittels Kommunikations- und Computertechnik über Funk ausgelöste Sirenen alarmiert. 

Ab 18. September 1926 wurde die Gemeinde Döschütz in den bisherigen Feuerwehrverband aufgenommen. Leider haben wir nur wenige Aufzeichnungen über die Arbeit und das Geschehen in der Zottewitzer Feuerwehr von den Anfangsjahren bis nach dem 2.Weltkrieg. Es sind keine Angaben über Brände und Hilfeleistungen oder wer Leiter der Wehr war, vorhanden. In den Jahren von 1944 bis 1947 wurde die Wehr von Georg Schöntier geführt. Die zu dieser Zeitwenigen älteren Männern und Jugendliche versahen ihre Dienste mit den Blatterslebener Kameraden zusammen. 

Die nächsten Wehrleiter waren 1948-51: Fritz Beier; 1952-53: Werner Münch; 1953-63: Gerhard Mann; 1964-65: Heinz Lemansky; 1965-72: Heinz Seidel; 1973-96: Herbert Pfitzner; von 1996 bis heute: Frank Dietrich. 

Nach dem 2. Weltkrieg folgten Jahre einer Neuorganisation der Freiwilligen Feuerwehr Zottewitz mit Unterstützung des Kreisbrandschutzamtes und dem Rat des Kreises Großenhain im operativen und vorbeugendem Brandschutz. So erhielt die Wehr zur Durchführung der ersten Brandbekämpfung eine Tragkraftspritze mit einer Wasserförderleistung von 300 1/min. 

Ein entscheidendes Jahr in der Entwicklung der Wehr war 1950 als jüngere Bürger sich für das humanistischen Anliegen der Feuerwehr interessierten und beitraten. So kamen die Kameraden Walter Vogt, Manfred Förster, Erhard Hofmann und andere. Einige davon sind der Wehr bis zum heutigen Tag treu geblieben, wenn sie auch jetzt in der Ehrenabteilung sind. 

1952 erhielt die Wehr einen Tragkraftspritzenanhänger mit einer TS 8. Zur schnelleren Einsatzfähigkeit kam 1955 ein gebrauchter offener Polizei-Mannschaftswagen dazu. Das Jahr 1967 stand besonders im Zeichen des Neubaus unseres Gerätehauses. Neben den durchzufüh­renden Diensten haben wir den Bau in den damaligen NAW-Einsätzen in 1.642 Stunden errichtet. Geschaffener Wert betrug 24.000 Mark. Noch bevor das Gerätehaus fertig erstellt war wurde uns ein neues Löschfahrzeug vom Typ Robur LO 1800 mit Schlauchtransporthänger übergeben, den wir auch heute noch besitzen. Ab 2004 werden wir ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug IVECO vom Typ TSF-W in unserem Gerätehaus stehen haben. Dieses Fahrzeug hat eine Tragkraftspritze mit einer Wasserförderleistung von 8001/min. und einen 750 1 Wassertank an Bord bei einem Gesamtgewicht von 6 t. 

Auch bei der Zottewitzer Freiwilligen Feuerwehr sind die vom ehemaligen DDR-Staat gestellten verschiedenen Leistungsparameter in die Geschichte eingegangen. Ziel dieser Bewegung sollte es sein, den vorbeugenden Brandschutz und eine höhere Einsatzbereitschaft zu erringen. So wurde die Leistungsstufe III 1968 und 1970 erreicht. Am 15. April 1970 wurde unsere Frauengruppe mit anfangs 8 Kameradin­nen gebildet. Ein Jahr später waren es schon 12 Kameradinnen. Unsere Frauengruppe war nicht nur im vorbeugenden Brandschutz tätig, sondern sie interessierten sich sogar für den operativen Einsatz. Auf Grund der erfüllten Forderungen wurde der Wehr die Leistungsstufe II - 1974 und die I - 1975 anerkannt. In den Jahren 1979, 1982, 1985 und 1988 wurden wir vom damaligen Polizeikreisamt, Abt Feuerwehr als vorbildliche freiwillige Feuerwehr überprüft und ausgezeichnet. 

Trotz der vielen Anstrengungen im vorbeugenden Brandschutz ist es in unserer Gemeinde und auch überörtlich in den vergangenen 60 Jahren zu mehreren Bränden und anderen Einsätzen gekommen, zu denen unsere Wehr mit Lösch- und Hilfeleistungen geholfen hat. So z. B. Scheunenbrände in Neuseußlitz und Porschütz, Werkstattbrand bei Bährisch, Heubodenbrand bei Tesche und einige mehr die wahrscheinlich hätten vermieden werden können.

Aber auch bei Hochwasserkatastrophen 1972, 2000 und 2002 waren wir im Einsatz. So geschah es am 16. August 1972, als ein Gewitter aufzog. Wie ein Wolkenbruch ergossen sich die Wassermassen auf unseren Ort und die Fluren. Von den bereits abgeernteten und wieder gepflügten Feldern wurden die Erdmassen in das Dorf, auf Straßen und in die Häuser mitgenommen. 10 Wohnhäuser mit Keller und Stallanlagen waren mit Wasser und Schlamm vollgelaufen. Bei einem selbstlosen Einsatz waren die Kameradinnen, Kameraden und andere Helfer beim Auspumpen der Keller und Beseitigen der Schlammmassen aus den Wohnungen, Ställen und Straßen herbeigeeilt. Dank und Anerkennung wurde uns vom Rat der Gemeinde und des Kreises ausgesprochen. 

Aber auch zur Jahrhundertflut im August 2002 waren unsere Kameraden bei der Beseitigung von Hochwasserschäden mehrere Stunden und Tage in der Gemeinde und an der Elbe im Einsatz. 

Die Hauptaufgabe der Feuerwehr ist es natürlich zu allererst, eine ständige Einsatzbereitschaft zu gewährleisten, was nicht nur moder­ne Technik, sondern auch regelmäßige Schulungen und Übungen erfordert. So werden von den Kameraden Lehrgänge für die Atem­technik, Rot Kreuz-Erste Hilfe, Benutzung von Kettensägen, Sprechfunk und andere besucht. Auch die Teilnahme an Wettkämpfen wie Löschangriff wird organisiert. 

Die Feuerwehr ist oft ein verbindendes Element in den Gemeinden. Häufig ist die Mitgliedschaft in der Feuerwehr schon eine Familientra­dition. Auch in der Gemeinde Zottewitz und Döschütz bedeutet die Freiwillige Feuerwehr mehr als nur Brandbekämpfung und Hilfe für die Bevölkerung. Wir haben es aber auch verstanden gemeinsam Feste zu feiern. Zum Beispiel einige Tanzabende, Busausflüge, Kegel- und Grillabende oder 80- und 90-Jahr Feier der Feuerwehr. 

Zur Freiwilligen Feuerwehr Zottewitz gehören heute noch 20 aktive Kameraden, 6 Jugendliche die von der Jugendfeuerwehr Priestewitz übernommen wurden, 8 männliche und 8 weibliche Alters- oder Ehren­mitglieder. Viele von ihnen tragen die Medaille für treue Dienste für 10, 20, 30, 40 und 50 Jahre. 1 Kamerad trägt die Medaille für Verdienste im Brandschutz, 2 Kameraden erhielten das Deutsche Feuerwehr Ehren­kreuz in Silber, 5 das Bestenabzeichen, 8 die Qualifikationsspange für Einsatzkräfte und 1 Kamerad für Maschinisten Stufe 1. 

Anhand dieser aufgezeigten Beispiele kann gesagt werden, dass die Freiwillige Feuerwehr Zottewitz gearbeitet hat! Sie ist nicht gerade eine schlechte Wehr im Kreis. Wir haben uns immer und auch überall sehen lassen können. Wir werden auch weiterhin dazu beitragen, gemäß unserem Wahlspruch: 

„Wir wollen nicht Lob, wir wollen nicht Ruhm, wir wollen nicht Ehr, wir wollen im Kleinen und Stillen Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr" getreu unsere Pflicht erfüllen.

„Gut Wehr"

Herbert Pfitzner Wehrleiter a.D.

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