Berthold Klug aus Zottewitz sammelt Rundfunkgerätesammlung. Hier mit einem
Rema-Röhrengerät aus den 60er Jahren.
Über 300 Radios aus DDR-Zeiten hat der Zottewitzer Sammler in seinem
Bestand.
Beitrag von Von Luise Zschörnig
( Sächsische Zeitung, 20.04.2004)
Viel
Zeit sollten die Besucher mit bringen. Denn wenn Berthold Klug über sein Hobby
redet, ist er kaum zu bremsen. Der 62-jährige Zottewitzer sammelt Radios und
hat sich auf seinem Grundstück ein privates Museum eingerichtet. Über 300
Rundfunkempfänger, hergestellt und offiziell gehandelt in der DDR, schmücken
den Raum. Sie stehen dicht aneinander in deckenhohen Wandregalen, blockieren
Tische und alle verfügbaren Flächen. „Ich will jetzt noch einen zweiten Raum
nebenan ausbauen, um mehr Platz zu schaffen", erzählt Berthold Klug. Seine
Familie nutzt das Domizil nämlich gelegentlich auch für Feiern. Die Radios
sind dann nicht nur historische Kulisse. „Die meisten Geräte spielen
noch", bemerkt der Sammler und Bastler stolz.
Sein Interesse für alte Radios hat einst sein Lehrmeister geweckt. „Er hat
Radios repariert und mich eingeweiht. Die Technik hat mich fasziniert",
sagt der gelernte Elektromonteur und studierte Automatisierungstechniker. Er
hat im Chemiewerk Nünchritz gearbeitet und war im Nachfolgebetrieb für die
Instandhaltung der Analysemesstechnik zuständig. „Diese Elektronik ist viel
anspruchsvoller. Dagegen ist ein Radio Spielerei", behauptet Berthold Klug.
Er traut sich an jedes Gerät heran. Und bisher musste er auch noch vor keinem
kapitulieren. In liebevoller Kleinarbeit möbelt er die Stücke wieder auf.
Ersatzteile
hat er inzwischen reichlich. Und zirka 1500 Schaltkreise im Rechner
archiviert. Darauf legt der Zottewitzer großen Wert, dass er zu jedem Radio
Schaltplan und Beschreibung hat, seine Sammlung perfekt dokumentiert ist und so
Radiogeschichte widerspiegelt. Seit
zweieinhalb Jahren erfasst er alle Daten im Computer.
Anfangs
hat Berthold Klug nur sporadisch Einzelstücke aus der Zeit vor 1945 und den
Nachkriegsjahren zusammen getragen. Ein Kleinempfänger, auch als Göbbelsschnauze
bekannt, von 1938 ist d runter, und ein Rema-Röhrengerät , Baujahr 1948, das
es damals für 45 Reichsmark gab.
Zielstrebig
begonnen hat er mit seiner jetzigen Sammlung erst kurz vor der Wende. „Die
Leute haben die DDR-Radios ausrangiert. Das tat mir leid." Also hat er sich
ihrer angenommen. „Die meisten habe ich von Verwandten und Freunden bekommen
oder bei Sammlern eingetauscht, manche auch auf Trödelmärkten gekauft",
erzählt Berthold KI g. Vom einfachen Küchenradio über den Kassettenrekorder
bis zur Hifi-Anlage ist alles dabei. Das älteste Gerät in der DDR-Sammlung
ist ein Sternradio, Baujahr 1949, das jüngste ein Hifi-Stereoverstärker,
Baujahr 1988. Es sind richtige Kunstwerke darunter wie das „Sonata",
dessen Gehäuse die Leipziger Klavierfirma Blüthner fertigte. „Es gab
zahlreiche Betriebe, die Rundfunkempfänger herstellten, später zum Teil in
Konsumgüterproduktion. Die Vielfalt ist enorm. Man glaubt gar nicht, wie
viele Radiotypen in der DDR gebaut wurden", schwärmt der Zottewitzer.
Dabei hat er nur etwa zehn Prozent in seiner Sammlung. Über jedes Stück, das
er dazu bekommt, freut er sich. Seit er Rentner ist, widmet Berthold Klug
seinem Hobby noch mehr Zeit, manchmal zum Verdruss seiner Frau. Das Museum hat
er im August 2002 eröffnet.

In
der Lausitzer Rundschau geblättert ....
Berthold Klug aus Zottewitz bei Dresden
sammelt DDR-Radios / Rund 450 hat er bereits
Von Sternchen, Sternen und einem spektakulären Salut
Man mag es kaum glauben, aber die
DDR-Industrie brachte 3000 Radiotypen auf den Markt. „Rechnet man die
verschiedenen Varianten hinzu, kommt man sogar auf 12 000“, überschlägt
Berthold Klug.
Der 65-jährige kennt sich damit aus, denn er frönt einem ungewöhnlichen
Hobby: Er sammelt Radios „Made in G.D.R.“
Eng an eng drängen sie sich in einem Nebengelass seines Wohnhauses in
Zottewitz. Rund 450 sind es momentan, und jede Woche werden es mehr. Dabei
platzen die Regale längst aus den Nähten. Echte Raritäten befinden sich
darunter, wie das erste DDR-Rundfunkgerät. Es nannte sich RFT Super, Typ
Stern 4U61 und entstand 1949 beim VEB Sternradio Leipzig. Optisch erinnerte es
noch sehr an die früheren Goebbelsschnauzen.
Stolz ist er auch auf den ersten Reiseempfänger der DDR, der noch ganz
unspektakulär 6D71 hieß. Er kam 1952 heraus, hatte schon Batterieantrieb und
eine pfiffige Rollantenne. Und 1959 sei dann das „Sternchen“ erschienen,
das Erste aus dem Osten ganz auf Transistorbasis. „Es hatte Mittelwelle von
510 bis 1620 kHz und war sowohl technisch als auch in seinen Miniaturmaßen
von 3,5x9,0x14,5 cm international konkurrenzfähig“, berichtet Klug.
Man sollte Zeit mitbringen, wenn man den Elektromechaniker in seiner kleinen
Radiowelt besucht. Denn er steckt voller Wissen und sprudelt das gern auch
heraus. Die meisten Fragen der Besucher ahnt er schon im Ansatz und hält
Antworten parat, auch weil er zu jedem Radio die technischen Datenblätter
sammelt.
Das teuerste Kofferradio seinerzeit« „Der Radiokassettenrecorder SKR 500.
Er kostete 1982 schon 2150 DDR-Mark, war sehr schwer, hatte Stereo und ein
Zweiwegelautsprechersystem.“ Das Variantenreichste» „Da gab es mehrere,
etwa das ,Dominante’, das in den 1950er-Jahren elfmal modifiziert wurde, so
auch als Allstromgerät A 122.“ Das Schönste« „Es gab richtige
Kunstwerke wie das ,Sonata’, dessen Gehäuse die Leipziger Klavierfirma Blüthner
fertigte.“ Das Modernste» „Vielleicht das Rema tonica RX 80, als
Hifi-Steuergerät konzipiert und mit einem legendären Tuner für den
UKW-Bereich. Es konnte 14 Sender speichern, hatte eine sehr hohe Trennschärfe.“
Angefangen habe alles um die Wende herum, erzählt der gebürtige Vogtländer.
Reihenweise entsorgten die Leute damals ihre Altgeräte in den Sperrmüll, er
musste sie nur aufsammeln. Einen zusätzlichen Schub brachte dann die Eröffnung
seines kleinen Privatmuseums im August 2002.
Ganzen Generationen Ostdeutscher gehen seither Augen und Herzen auf, wenn sie
Schätze ihrer Jugend wiederentdecken. Das „Stern Party“ mit Mittel- und
Kurzwelle etwa, mit dem man als Halbwüchsiger abends unter der Laterne stand,
bis die Nachbarn rumorten. Oder der Stereo-Großsuper „Rossini“, den sich
heute 60-Jährige für die erst eigene Wohnung ersparten. Nicht zuletzt das
possierliche Taschenradio „Mikki“, das auch der Autor dieses Beitrages
1968 unterm Tannenbaum fand.
Auch Kuriositäten stehen in Klugs Kabinett. Etwa Geräte, die die DDR für
die Bundesrepublik baute, und die dann im Westpaket zurückkehrten. „Da gab
es das ,Ouvertüre’, einst von Quelle für 60 DM vertrieben. Als es später
auch in unsere Läden kam, kostete es 500 Mark Ost“, weiß der Sammler.
Von Harald Lachmann


"Berthold
Klug aus Zottewitz bei Dresden sammelt DDR-Radios. Rund 450 hat er
bereits", schreibt Harald Lachmann heute in der
Lausitzer
Rundschau. Und staunt: "Man mag es kaum glauben, aber die
DDR-Industrie brachte 3000 Radiotypen auf den Markt."
Aus dem Staunen kommt auch derjenige Leser nicht heraus, für den die
zahlreichen Radiotypen „Made in G.D.R.“ bis dato unbekannt sind. Oder wußten
Sie, dass der erste "Reiseempfänger" der DDR ganz unspektakulär
6D71 hieß? Er kam 1952 heraus, hatte schon Batterieantrieb und eine
"pfiffige Rollantenne". Und was war das teuerste Kofferradio
seinerzeit? „Der Radiokassettenrecorder SKR 500. Er kostete 1982 schon
2150 DDR-Mark, war sehr schwer, hatte Stereo und ein
Zweiwegelautsprechersystem.“ Aha!
Für mich als im Jahr des Mauerbaus Geborener und mit dem Quelle-Katalog
aufgewachsener Westler erinnere mich noch an Geräte wie das "Ouvertüre".
Diese Geräte baute die DDR für die Bundesrepublik, und Quelle vertickte
sie für sechzig D-Mark. Im Westpaket kehrten einige in das Land ihrer
Produktion zurück. "Als es später auch in unsere Läden kam, kostete
es 500 Mark Ost“, weiß der Sammler Berthold Klug zu berichten.
Von
Sternchen, Sternen und einem spektakulären Salut - Lausitzer Rundschau vom
23.12.2006